Die etwas andere Rezension: Ich habe meinem Sohn heute die BRAVO gekauft

Hey ihr Lieben!

Die Vorgeschichte mal in Kurzform: Teeniemonster krank zu Hause, Mutter muss der aktuen Lebensmittelknappheit vorbeugen. Ich war also einkaufen und dachte so als passionierte Rabenmutter – die ihrem Pubertier vorher PC und Handy wegen fieser Kopfschmerzen verboten hat – dass ich dem schnüpfelnden Nachwuchs heute mal ein Erkältungsbad und eine Zeitschrift gönne. Aber schon das Zeitschriftenregal im Supermarkt hat mich dezent verwirrt: Comics, Kleinkind-Zeitschriften, Zocker-Lektüre und gefühlte 357 Mädels-Blättchen inklusive Schminktipps und Duckface-Anleitung. Mit einem Schulterzucken habe ich dann halt zum Klassiker für Teenager gegriffen – der Bravo!

Ich weiß, die Bravo galt schon früher nicht unbedingt als pädagogisch wertvoll, hat uns aber dennoch eine Menge Spaß gemacht, oder? An der „Bude“ haben wir uns damals jeden Donnerstag sofort nach der Schule die Bravo gekauft; ich meine für ungefähr 1,80 DM. Heute gibt es keine Büdchen mehr, dafür aber Bravos in unzähligen Ausführungen und für 2,10 € in der klassischen Variante. Ganz ehrlich, ich hatte mich schon ein wenig darauf gefreut, dem Kind später die Zeitung zu mopsen und in Nostalgie zu schwelgen. Ach, ihr wisst schon … die romantischen Foto-Lovestorys, der aktuelle Beziehungsstatus meines Lieblings-Rockstars, die mit blödem Gekichere gelesene Dr. Sommer-Seite und nicht zuletzt der lebensgroße Starschnitt, bei dem mir irgendwie immer ein Körperteil fehlte …  Tja, ich hatte mich zu früh gefreut.

Notiz für mich: Erst lesen, dann dem Kind geben

Am späten Nachmittag fiel mir das Bravo-Dings wieder ein. Allerdings erst, nachdem meine Rotznase seine selbige bereits in die Zeitschrift gesteckt hatte. Für mich dumm gelaufen; war nämlich nix mit Nostalgie! Ich „kenne“ nicht einen dieser Tuber, InstaStars oder furchtbar böse dreinblickenden Rapper, was mir eigentlich auch egal ist. Worüber ich allerdings förmlich gestolpert bin ist eine extreme Mixtur aus Jugendsprache und dem sogenannten Denglisch à la „es fuckt mich ab“, „Flucht vor dem Fame“ oder „du Opfer“. Leute, das stört irgendwie den Lesefluss – zumindest bei Erwachsenen!

Holla die Waldfee!

Allerdings nehmen die Dr. Sommer-Ratschläge nicht mehr nur eine Seite ein. Nein, auf insgesamt sieben Seiten widmet sich das Team den Problemen der Jugend. Zwischen 13 und 15 Jahre alt sind die Fragensteller der abgedruckten Passagen, die Hilfe für ihre Beziehungsprobleme erbitten. Gespickt ist die von uns gelesene Ausgabe mit hübschen Nackedei-Paarbildchen inklusive deutlicher Fummelattacken. Würde ich euch gerne zeigen, bekäme dafür aber wahrscheinlich einen auf den Deckel.

Mich wundert’s auf jeden Fall jetzt nicht mehr, dass mein eher zurückhaltender 13-Jähriger die Bravo vor seiner deutlich weniger zurückhaltenden Mutter im Schrank versteckt hat. Ich bin weder spießig, noch habe ich einen Stock im Popo, aber beim Anblick der Bildserie zum Nachmachen sowie der Headline „Steif & Feucht – so läuft’s beim Sex“ habe ich spontan mal nach dem empfohlenen Alter für Bravo-Leser gegoogelt, wobei von 9 bis 13 Jahren alles dabei war. Müssen Neunjährige echt schon wissen, wie eine Klitoris stimuliert wird?

Naja, lehrreich ist es bestimmt auf irgendeine Art und Weise. Ich habe auch dazu gelernt, ebenfalls von Dr. Sommer:

„Laut einer Studie sollen Frauen, die beim Sex Socken tragen, schneller zum Orgasmus kommen.“ (Bravo, Nr. 21/2018, S. 34)

Also Mädels: Socken an und los geht’s!

Alles Pustekuchen

Ja, ich bin enttäuscht! Noch nicht einmal die in der Inhaltsangabe versprochene Foto-Love-Story hält was sie verspricht. Es geht darin nämlich gar nicht um Liebe und Romantik, sondern um Mobbing, was heute sicherlich ein ganz wichtiges Thema ist. Trotzdem hatte ich mich auf ein wenig Kuschelfeeling und „Willst du mit mir gehen?“ gefreut, komme aber dank „Der Chabo weiß noch nicht, wer hier der Babo ist“ oder dergleichen nicht so richtig in Stimmung.

Und Starschnitte braucht ihr gar nicht erwarten; die gibt’s wohl nicht mehr. Nur Poster und die sind von Menschen, die übellaunig gucken und die ich sowieso nicht kenne.

Mein Fazit

Für mich ist die Zeit mit der Bravo wohl endgültig vorbei; für Teeniemonster fängt sie scheinbar gerade erst an. Mein Zwerg fand sie doof und bekommt demnächst einfach wieder Mickey Mouse Hefte. Die kann ich ihm nämlich auch klauen.

P.S. Gibt es eigentlich noch Denise-Romane? 😀

Viele Grüße,

eure Ines

 

3 Kommentare zu „Die etwas andere Rezension: Ich habe meinem Sohn heute die BRAVO gekauft

Gib deinen ab

  1. Ein super Text! Ich habe die Bravo damals nur ziemlich kurz gelesen. Ich wusste schon alles, was da stand 😉 Meine Zeitschrift war die „Mädchen“. Wie ist die denn heute so? Hast Du nicht Lust, hier mal eine Ausgabe vorzustellen? LG, Ina

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    1. Danke, Ina! Um die Mädchen- oder Girlie-Zeitschriften zu rezensieren, brauche ich einen guten Vorwand 🙈 Trotzdem kann sowas immer mal passieren, wenn ich meine Meinung durch die Weltgeschichte geigen will 😁

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